Warm Up

Bevor es richtig los geht

Am Wochenende hatte ich das Vergnügen, an einem Portraitkurs bei Ulrike Selders in ihrem Atelier in Köln-Nippes teilzunehmen. Zwei Tage voller Tipps, Übungen und Austausch. Auch und mit den anderen großartigen Kursteilnehmerinnen. Es wurde konzentriert gearbeitet, viel ausprobiert und noch mehr gelacht.

Besonders hängen geblieben sind bei mir die Aufwärmübungen. Blindzeichnen kannte ich zwar schon, aber ich mache es viel zu selten.

Noch mehr Spaß hatte ich an einer anderen Übung: Wir sollten eine Vorlage zeichnen, die um 180 Grad gedreht war. Das zwingt einen dazu, wirklich hinzusehen, statt nur das zu zeichnen, was das Gehirn glaubt zu kennen. Plötzlich ging es nicht mehr um Augen, Nasen oder Münder, sondern nur noch um Linien, Flächen und Schatten. Und das Schönste daran: der Moment, wenn man das Blatt am Ende umdreht und zum ersten Mal sieht, was eigentlich entstanden ist. Man überrascht sich selbst.

Völlig unrealistische Gesichter, die "blind gezeichnet" sind -also ohne auf das Papier zu schauen.

Blind zeichnen

Den Blick die ganze Zeit auf das Gegenüber richten. Auf keinen Fall aufs Papier schauen. Am besten funktioniert es, wenn der Stift das Blatt gar nicht verlässt. Sonst hat man verloren. 🙂 Leichtes Schummeln erlaubt. Anschließend kann man die Zeichnungen nach Lust und Laune kolorieren.

Illustration verschiedener Köpfe auf Basis geometrischer Formen

Gesichter aus Zufallsformen

Am Anfang gibt es nur eine blindgezeichnete Linien, wild übers Papier gekritzelt. Dann folgt der Versuch, in die Formen Gesichter zu zeichnen: Was ist vielleicht Frisur, eine Nase, wo fehlt ein Ohr? Und viel wichtiger: was sind das eigentlich für Typen? Austoben und dabei zusehen, wie aus den zufälligen Formen nach und nach kleine Persönlichkeiten entstehen.

Sechs Schwarz-Weiß Portraits auf dem Kopf gezeichnet. Sie bestehen lediglich aus Schatten

Nicht denken – gucken!

Als Vorlage gibt es sechs Schwarz-Weiß-Portraits – allerdings komplett auf dem Kopf. Ziel der Übung ist es, nicht das zu zeichnen, was man zu sehen glaubt, sondern das, was tatsächlich vor einem liegt: Schatten, Weißräume, Kanten und Tonwerte. Das Gehirn wird dabei ein kleines bisschen ausgetrickst. Am Ende dieser schöne Überraschungsmoment, wenn das Blatt umgedreht wird.

Im Laufe des Wochenendes sind viele tolle Arbeiten entstanden. Fast noch schöner waren allerdings die feinen Fehler. Über schiefe Nasen, verrutschte Proportionen oder eher unerwartete Ergebnisse wurde viel und herzlich gelacht. Wahrscheinlich lernt man genau so am besten: mit Neugier, ohne Perfektionsdruck und mit einer guten Portion Humor.